Ein Therapie-Wegweiser

In Deutschland wenden Therapeuten verschiedene Verfahren an, um Betroffenen zu helfen. Arzt und Patient entscheiden gemeinsam, welche Behandlung am besten geeignet ist: analytische Psychotherapie, tiefenpsychologische Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Medikamente oder eine Kombination.

VON JANA ANZLINGER UND JULIA VIEGENER

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Beratungsstellen bieten seelische Erste Hilfe: Sie stabilisieren Betroffene in Notfällen. Zudem informieren sie über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und können bei der Suche nach Therapeuten helfen. In dringenden Fällen stehen Notfallnummern bereit.
Die folgende Liste ist nicht vollständig, sondern dient einem ersten Überblick. Sie stellt in Kürze die vier Therapien vor, die alle gesetzlichen Kassen in Deutschland bezahlen. In Absprache mit der Krankenkasse können Patienten mehrere Therapeuten aufsuchen, bevor sie sich entscheiden.

 


 

Analytische Psychotherapie

Wem hilft das?

Die analytische Psychotherapie kann bei Depressionen helfen, die durch seelische Konflikte, Beziehungs- oder andere Probleme in der Lebensgeschichte ausgelöst wurden. Patienten nehmen ihre Depression als diffus und überdauernd wahr.

Was ist das?

Sowohl die analytische Psychotherapie als auch die tiefenpsychologische Psychotherapie gehen auf das Verfahren der Psychoanalyse zurück, das Sigmund Freud begründet hat. Meistens liegt der Patient auf einer Couch und führt ohne Blickkontakt ein offenes Gespräch mit dem Therapeuten. Indem der Patient erzählt, was ihm spontan einfällt, sollen seine typischen Denkmuster, Verhaltensweisen und Charaktermerkmale deutlich werden. Außerdem sollen Ursachen der Depression an die Oberfläche kommen, die in der Kindheit oder Jugend liegen und dem Patienten möglicherwiese nicht bewusst waren. Das können traumatische Erlebnisse, ungelöste Konflikte oder nicht bewältigte Entwicklungsschritte sein. Diese Therapie stellt also Lebenslauf und Persönlichkeit in den Vordergrund.

Wo gibt’s das?

Durchgeführt wird analytische Psychotherapie von psychologischen Psychotherapeuten und ärztlichen Psychotherapeuten – das sind studierte Mediziner oder Psychologen, die eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert haben. Beratungsstellen und Ärzte helfen Patienten bei der Suche nach einer psychotherapeutischen Praxis in Wohnortnähe.

 


 

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Wem hilft das?

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hilft Betroffenen in weniger akuten Phasen.

Was ist das?

Das tiefenpsychologische Verfahren hat sich aus der Psychoanalyse entwickelt. Diese geht davon aus, dass die Ursache der Depression im Lebenslauf des Patienten zu finden ist. Allerdings ist diese Ursache nicht das Hauptthema der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Diese ist – im Gegensatz zur analytischen Psychotherapie – eher konfliktzentriert statt persönlichkeitszentriert. Das heißt, dass Therapeut und Patient zusammen ein konkretes aktuelles Problem lösen. Am Anfang besprechen sie deswegen ein Behandlungsziel. Bei ihren Treffen sitzen sich Patient und Therapeut gegenüber und haben Blickkontakt.

Wo gibt’s das?

In ganz Deutschland bieten psychologische und ärztliche Psychotherapeuten die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie an. Beratungsstellen und Ärzte informieren über Praxen in Wohnortnähe.

 


 

Verhaltenstherapie

Wem hilft das?

Die Verhaltenstherapie eignet sich für Patienten, die sich hilflos und ohnmächtig fühlen und bewusst an ihren Gefühlen arbeiten wollen.

Was ist das?

Eine Depression ist häufig daran schuld, dass sich Betroffene zurückziehen, sich von Freunden und Familie isolieren und nicht mehr am Leben teilnehmen. Sie denken in vielen Situationen pessimistisch und glauben, nichts ändern zu können. In der Therapie sollen Patienten lernen, wieder aktiv zu werden und die gefühlte Hilflosigkeit zu überwinden. Das antriebslose Verhalten ist die Folge von negativen Denkmustern, die aufgebrochen und überwunden werden können. Wissenschaftler haben die Verhaltenstherapie vielfach untersucht und ihre Wirksamkeit bestätigt.

Wo gibt’s das?

Die Verhaltenstherapie gibt es deutschlandweit in Form von Einzel- oder Gruppensitzungen. Geleitet wird sie von psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten.

 


 

Medikamentöse Therapie

Wem hilft das?

Antidepressiva sollen Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen helfen, indem sie den Stoffwechsel im Gehirn anregen und die Nervenzellen dabei unterstützen, ihre Signale zu übertragen.

Was ist das?

Heute werden normalerweise selektive Wiederaufnahmehemmer verschrieben. Diese modernen Antidepressiva verhindern, dass Neurotransmitter nach der Ausschüttung wiederaufgenommen und dadurch an unzugänglichen Stellen gespeichert werden. Die Neurotransmitter sind Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Jeder Wirkstoff ist auf einen dieser Transmitter zugeschnitten, also selektiv. Dadurch sollen die Tabletten die Persönlichkeit unberührt lassen und möglichst wenig Nebenwirkungen verursachen. Die Stimmung aufhellen können alle Antidepressiva. Zusätzlich sollen manche beruhigen und manche den Antrieb steigern. Bis die Wirkung voll eintritt, können bis zu sechs Wochen vergehen. Manche Patienten nehmen ihr Leben lang Medikamente, aber viele schleichen nach Ende der schweren Episoden ihre Antidepressiva wieder aus – das bedeutet, dass sie in enger Abstimmung mit dem Arzt die Dosis schrittweise senken.

Wo gibt’s das?

Medikamente kann jeder Arzt verschreiben, also auch der Hausarzt. Meistens sind es jedoch Fachärzte, die die Tabletten verschreiben und danach regelmäßig mit dem Patienten besprechen, ob Wirkstoff und Dosierung noch helfen oder geändert werden sollten. Zuständig sind Fachärzte für Neurologie, für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, für Nervenheilkunde oder für Psychiatrie und Psychotherapie.